Pferdeschnauben, kein Straßenlärm und Gespräche über Selfpublishing. Ich glaube, ich bin nicht zu Hause. So dachte ich zumindest, als ich neulich bei dem Silberfederntreffen auf dem Pferdehof bei Bielefeld war. Ich habe mich mit Isabell Schmitt-Egner und Marlies Lüer getroffen, um unsere Seelen baumeln zu lassen.

Silberfedern

Es ist immer wieder faszinierend, zu sehen, wie sehr die Autorinnen der Silberfedern miteinander harmonieren. Es ist, als würden wir uns schon ewig kennen. Leider kann nicht immer jede von uns zu einem Treffen; die Entfernungen zwischen uns sind gewaltig, wir sind über ganz Deutschland verstreut. Da ist es finanziell und zeittechnisch nicht immer ein voller Silberfedernbestand möglich.

Autorentreffen

So ein Treffen unter Autoren ist nie einfach so zum Spaß, da wird auch fleißig gearbeitet: Wir besprechen und planen unsere gemeinsamen Projekte, reden über die Buchthemen, an denen wir momentan arbeiten und tauschen unsere Erfahrungen, Erkenntnisse und Neuigkeiten aus. Die Welt der Literatur ist genauso rasant geworden, wie die restliche Welt, wenn man sich da nicht austauscht, bekommt man nur einen kleinen Teil der Themen mit. Solche Arbeitsgruppen sind unbezahlbar und bei den Silberfedern hatten wir das Glück, dass wir inzwischen nicht nur Kolleginnen sind, wir sind wie eine Familie.

Inspiration, Muse und Routine

Ideenfindung für meine Geschichten gehörte noch nie zu meinen Sorgen, ich kann überall Inspiration schöpfen, dennoch ist der Wechsel des Arbeitsortes wie das Reisen mir der sogenannten Muse. Ich glaube nicht so an die Muse; als Autor sollte man sich nicht zu sehr auf solche »Hilfsmittel« verlassen, denn sie verlassen einen irgendwann.
Für mich ist so ein Tapetenwechsel knotenlösend. Ich leide nicht unter Schreibblockaden, weil ich zuvor alles gründlich plotte, die Knoten, die ich meine, sind ganz andere: die der nervigen Routine. Nichts gegen die Routine, sie erleichtert das Leben, aber hin und wieder bin ich froh, ihr für ein paar Tage die kalte Schulter zeigen zu können.

Kreativurlaub

Früher fand ich es seltsam, dass Goethe und die anderen Schriftsteller andauernd auf Reisen waren, um zu schreiben. Heute ist es für mich sogar erstrebenswert, um allen alltäglichen Ablenkungen zu entfliehen, um mich auf neue Ablenkungen einzulassen. Bei dem Autorentreffen haben wir nur geredet und es war schön, aber ich wünsche mir einen Autoren-Schreiburlaub mit festgelegten, ungestörten Schreibzeiten und kreativem Austausch in den Pausen. Vielleicht wird ja noch was daraus.

Stille

Erst jetzt, da ich auf dem Balkon liege und den Vögeln beim Zwitschern zuhöre, bemerke ich, wie laut die Ecke ist, in der ich wohne. Nebenan ist eine extrem laute Baustelle, weil mein Nachbarhaus Außenfahrstühle bekommt, das ist werktags eine Dauerlärmbelästigung. Zudem wohne ich an einer lauten Umgehungsstraße und meine direkte Nachbarin hat zwei Kinder, die außer lautes Heulen und Schreien nichts beherrschen.
Auch wenn ich mich bald an meinen geliebten Stadtlärm gewöhne, fehlt mir im Moment die Stille, die ich auf dem Pferdehof erleben durfte.

Sterne

Bevor ich das Fach Astronomie in der Schule hatte, habe ich die Sterne so sehr geliebt, dann kamen die nüchternen Berechnungen, die jegliche Romantik von den Sternen nahm. Als ich Astro wieder abgewählt habe, mochte ich die Sterne wieder.
In der Stadt sind sie leider nicht so gut zu sehen, deswegen geht mein Blick immer zum nächtlichen Himmel, wenn ich auf dem Land bin und an diesem Wochenende habe ich die Schönheit der Milchstraße wieder bewundern dürfen.
Früher habe ich mir beim Betrachten der Sterne Geschichten ausgedacht und fremde Welten ersehnt, deswegen sind die leuchtenden Himmelskörper noch immer meine Inspirationsquelle Nummer eins, selbst dann, wenn das licht der Stadt so viele Ideen fortleuchtet.
Es war also nicht nur eine Besinnungsreise, sondern diente auch meiner intensiven Inspiration. Passt doch zum Autorentreffen.

Tiere

Was als Autorentreffen begann, endete in einer wilden Kuschelei mit den vielen Tieren auf dem Pferdehof. Neben den siebzig Reittieren, den Pferden, Ponys und den Miniponys, gab es auch drei große Hunde und so viele Katzen, dass ich mit dem Zählen aufgehört habe. Den Tieren geht es dort so fantastisch, sie werden umsorgt, gepflegt, bei dieser Hitze liebevoll gewaschen, gestriegelt und von so komischen Autorinnen von den Silberfedern abgeknutscht und gekuschelt.
Vor allem die Katzen genießen dort ihren Himmel auf Erden. Es gibt nicht nur viele kleine und große Verstecke, sondern auch genug Mäuschen zum Fangen. Es war also nicht überraschend, dass da mal so eine erlegte Maus als Geschenk neben unseren Heubetten gelegt wurde.
Für eine sehr ungeduldige Person wie mich war es eine Therapie.

Abenteuer

Als es hieß, wir schlafen im Heuhotel (also in einem Pferdestall mit Heu und süßen Ponys, nebenan), dachte ich nur: Verdammt, da gibt es sicher Spinnen! Aber es gab da nicht nur Spinnen, sondern auch Hornissen, Mäuse und sonstige kleine Wesen, die eine Frau aus der Stadt nicht so in der Nähe haben möchte.
In der ersten Nacht hatte ich auch so meine Schwierigkeiten mit den lustigen Geräuschen, die die Ponys nebenan machten (ja, da wurde einfach mal so am Heu gekaut oder sich gegenseitig mit den Zähnen am Pops gebissen – liebevoll natürlich), aber danach konnte ich immer super durchschlafen. Es war ein Abenteuerurlaub, gar keine Frage, ich habe irgendwann aufgehört, den Stroh und die Katzenhaare von meiner Kleidung zu klopfen und als ich zuhause meine Reisetasche öffnete, roch alles nach Heu.

Mediensperre

Auch wenn ich ein paar Fotos auf Social Media Kanälen gepostet habe, hielt ich mich doch fast kaum darin auf. Ich fühlte mich wie ein Internetauswanderer.
Die Zugfahrt hat auch erfolgreich verhindert, dass ich nicht genug Internet zum Rumsurfen hatte. Da steckte ich das Handy irgendwann gänzlich in die Tasche und holte es nur heraus, um das Ticket zu zeigen.
Am ersten Tag auf dem Hof hatte ich noch das Handy immer bei mir, habe Fotos gemacht und immer wieder geschaut, ob jemand geschrieben hat. Am zweiten Tag begann ich Nachrichten ungelesen wegzuklicken und fotografierte nur noch, wenn ich daran gedacht habe, bis ich so gegen Mittag das Handy in die Scheune gelegt und mich von der Natur treiben lassen habe. Am dritten Tag waren meine Hände sowieso immer mit Hundekuscheln und den vielen Katzen beschäftigt, keine Zeit für irgendwelche Handyaction.
Mein Fehler war es, gleich nach der Reise Facebook anzumachen und die wundervollen Erfahrungen sofort mit Alltag zu vermischen. Sobald ich meinen Fehler erkannt habe, schnappte ich mir mein Notizbuch und ging mit meinen eigenen Kätzchen auf den Balkon.

Fazit

Es war eine wundervolle Erfahrung, die meine innere Raserei durch die heutige schnelle Zeit entschleunigte. Ich freue mich schon darauf, wenn ich das nächste Mal Isa auf dem Pferdehof besuchen darf.
Danke für diese tolle Zeit!

Wie ist es bei euch? Gebt ihr euch auch gelegentlich einer urbanen Flucht hin? Wohin verschlägt es euch dann? Könntet ihr euch sogar vorstellen, das Stadtleben aufzugeben, um aufs Land zu ziehen?