Chemnitz regnet mir auf den Kopf.
Mit jedem neuen Tag wird mir die Stadt, die ich früher sehr gemocht habe fremd. Freunde ziehen weg, Clubs verändern sich, Bands, die ich sehen will, kommen nicht mehr hierher, die Liebe hält mich auch nicht mehr und der innere Wunsch, den ich schon seit meinem sechzehnten Lebensjahr in mir spüre, nimmt wieder viel Raum in meinem Herzen ein.
Deswegen reiße ich meine Wurzeln wieder aus dem Boden heraus und verlasse die Stadt, in der ich seit über 21 Jahre lebe.

Warum Leipzig?

Leipzig gehörte neben Dresden schon immer zu meinen Lieblingsstädten, denn sie haben die perfekte Größe, nicht zu klein, nicht zu groß, haben eine gute Infrastruktur, eine interessante Kultur, schöne Ecken und vor allem auch viel mehr junge Menschen als Chemnitz sich erträumen kann.
Als ich sechzehn war, wollte ich wegen der Musik dahinziehen, später wegen noch mehr Musik und inzwischen sind es die Bücher, die mich locken: Die Leipziger Buchmesse und die Autoren.

Musik

Ein wichtiger Grund für den Umzug ist die Musik-Kultur in Leipzig. Die meisten Bands, die ich liebe, treten auf ihrer Tour auch in Leipzig auf. Auch auf das With Full Force Festival und das Wave Gothic Treffen freue ich mich schon sehr.

Fahrradfahren

Ich liebe Fahrradfahren. Ich lege so gut wie jede Strecke in Chemnitz mit dem Rad zurück, egal bei welchem Wetter. Gut, durch den Schnee fahren mag ich immer noch nicht und bei Hagel macht es auch nicht so viel Fun, aber es ist schöner als in einen Bus mit depressiv guckenden Leuten zu steigen.
Bei Bergen werde ich allerdings mürrisch. Das raubt mir jeden Radspaß und Chemnitz ist leider sehr hügelig. Leipzig dagegen ist so schön flach, dass ich es kaum erwarten kann, mein Rad wieder häufiger zu nutzen.

Geplanter Umzug

2017 wird das Jahr sein, in dem der Umzug steht, allerdings weiß ich noch nicht, ob ich es noch vor der Leipziger Buchmesse schaffe oder erst danach. Davor wäre selbstverständlich sinnvoller.
Ich will mich nicht stressen und ich vermeide es auch, hier noch länger herumzutrödeln 🙂 Der Schweinehund meldet sich immer dann, wenn es schwierig wird und so ein Umzug in eine andere Stadt ist immer besonders anstrengend. Mit diesem Beitrag hole ich alle Leser als motivierende Unterstützung ins Boot, denn jetzt habe ich mein Ziel im Internet herumposaunt und kann nicht mehr zurück 🙂 Wenn 2018 anbricht und ich noch nicht in Leipzig bin, wisst ihr, dass die Bequemlichkeit gesiegt hat.

Freunde

Ich kann gar nicht mehr zählen, wie viele Freunde Chemnitz verlassen haben und nicht wenige sind nach Leipzig gezogen. Ich freue mich schon darauf, mehr mit ihnen zu unternehmen 🙂

Autoren

Durch meine Schreibzeit gibt es auch neue Freunde, die so wie ich Autoren sind. Es ist eine Sache, mit den Autoren auf der Buchmesse zu reden, aber eine andere, sich für spontane Schreibabende treffen zu können oder gemeinsam in einen neuen Fantasyfilm zu gehen, der uns alle anspricht. Mädels, ich freue mich auf euch <3

Jugend

Chemnitz war für mich schon immer irgendwie zu alt. Wenn man an einem Sonntag durch die Stadt geht, ist es wie eine Geisterstadt. Eigentlich ist es an jedem Wochentag so, nur am Freitag- und Samstagabend ist es etwas belebter, weil die Jugend feiern geht.
Viele Projekte, die die Jugend nach Chemnitz locken sollte, scheitern, immer mehr wandern sie ab und die Stadt wird grauer und grauer. Und dadurch auch leiser. Laute Musik ist ein Graus für unsere Damen und Herren. Aber das ist ein Thema, das schon sehr oft ausdiskutiert wurde und gehört auch nicht primär hierher, auch wenn es ein gewaltiger Grund für meine Auswanderung ist.

Buchmesse

Näher an der Leipziger Buchmesse zu sein, ist einfach ein unfassbarer Gedanke. Und ich müsste keine überteuerten Hotelpreise mehr zahlen.

Wohnungssuche

Eigentlich wollte ich nicht vor der Frankfurter Buchmesse damit beginnen, aber zwei super liebe Kolleginnen Juliane Schneeweiss und Tina Köpke ziehen im Moment auch um und reizen in mir den Wunsch, schon jetzt damit zu beginnen. Somit habe ich gestern schon nach Wohnungen geschaut. Ja, ich weiß, ich bürde mir damit zusätzlichen Stress auf, aber wenn man etwas will, dann fällt es einem leichter, das durchzuziehen.
Mein Plan: Jeden Tag entweder eine Wohnung zu suchen oder ein Objekt direkt anzufragen 🙂 Das klingt zwar nach viel, aber Leipzig ist begehrt, das darf man nicht vergessen.
Gestern habe ich mich in eine Dachgeschosswohnung verliebt. Ich wollte kein Dachgeschoss, aber die Wohnung ist einfach nur zuckersüß und hat eine großartige Fensterfront. Da habe ich schon Mal angefragt.
Übrigens: Ich will eine kleine Wohnung haben!

Minimalismus

Am liebsten würde ich meinen gesamten Krempel aus dem Fenster werfen, meine Katzen, einen Koffer und meine Technik mitnehmen und in den nächsten Zug steigen. Es ist unfassbar, wie viel Zeug wir uns alle immer anschaffen und es dann nicht brauchen. Ich habe schon vor anderthalb oder vor zwei Jahren damit angefangen, meine Wohnung auszumisten, doch egal wie viel ich verschenke, verkaufe oder wegwerfe, es scheint kaum weniger zu werden. Das ist manchmal zum Verzweifeln, aber ich gebe natürlich nicht auf.
Ich habe beschlossen, jeden Tag zehn Dinge loszuwerden. Ob klein oder groß. Zehn Sachen sollen meine Wohnung verlassen. Und ich meine nicht den täglichen Müll, den ich eh rausbringe 😀
Warum ich ausmiste? Nicht, weil ich umziehen will, sondern weil ich schon immer die Wohnungen schön fand, die nicht zugestellt sind, die ganz klar, fast schon leer aussehen. Das ist auch der Grund, warum ich auf helle Möbel mit bunten Farbakzenten stehe, die machen den Raum größer und klarer.
DESWEGEN suche ich auch eine kleine Wohnung. Mir ist meine derzeitige Dreiraumwohnung viel zu groß.

 


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