Autorennetzwerk, Networking, du musst dich vernetzen, all das sind Dinge, mit denen ein angehender Autor so seine Schwierigkeiten hat. Viele sind noch immer davon überzeugt, dass Schriftstellerei ein einsames Tätigkeitsfeld sei, dabei kann das Autorennetzwerk so aufregend sein.

Meine Suche nach dem Autorennetzwerk

Als ich mit dem Schreiben begann, hasste ich das Wort Networking. Es klang so falsch, so erzwungen, irgendwie nicht kreativ. Hätte ich doch nur eher gewusst, dass das Netzwerken mit Autoren so einen Spaß macht.
Während meiner Solo-Autorenzeit hatte ich nur das Arbeiten an meinem Roman und war mir sicher, das ist alles, was ich brauche. Wie sollte ich auch meine Zeit neben dem Job, dem Illustrieren, meiner Mitgliedschaft in der Band und meinen Freunden noch mehr zerspalten? Es gab auch keinen Grund. Eines Tages hatte ich aber Jennifer Jägers Blog gelesen (ich hatte schon andere Blogs gelesen, die mit dem Schreiben zu tun hatten, aber der von Jennie hatte mich in meinem Denken über das Netzwerken verändert). Sie hatte damals die Schreibnacht-Community aufgebaut und ich bin bei der zweiten Schreibnacht eingestiegen und gleich in der ersten Nacht so viele liebe Autoren kennengelernt. Mit den meisten habe ich heute eine wundervolle Freundschaft.
Schnell begriff ich, dass mit so tollen kreativen Menschen schöne Projekte entstehen können und so verschob sich mein Interesse auf viele Projekte, ich wollte einfach nur überall sein, überall helfen, überall mitmischen und selbst Dinge aufbauen. So ist es nicht verwunderlich, dass ich im Schreibnachtmagazin landete und eine Zeit lang sogar die Leitung übernahm. Das war aber auch die Zeit, in der ich mich ausgebrannt fühlte, weil ich zu viel auf einmal wollte. Einige Projekte habe ich wieder verlassen, andere aber intensiviert und bin sogar neuen beigetreten.
Die wohl schönsten dieser Projekte sind die Covergruppe mit Isabell, die wir jetzt aus vielen Gründen wieder aufgegeben haben und das Autorenverbund Silberfedern, in dem ich mich einfach nur wohl fühle.
In diesem Blogbeitrag gehe ich nicht auf alle Dinge ein, die etwas mit dem Autorennetzwerk zu tun haben, sondern fasse nur das zusammen, das ich über die letzten Jahre erlebt habe.

Vorteile eines Autorennetzwerks

Austausch

Der wohl wichtigste und darum auch der erste Punkt ist der Austausch. Das ist der innere Antrieb, der die Autoren überhaupt zueinander führt: Man will Gleichgesinnte treffen, weil die Freunde und Familie schon lange nichts mehr über Schreibtechniken und das verrückte Eigenleben von Charakteren wissen wollen. Mir war das klar, als meine beste Freundin Jana zu mir sagte: »Du sprichst nur noch vom Schreiben!« Zunächst war ich empört, schließlich tauschen sich die besten Freunde über alles aus, so war das zwischen uns auch immer. Aber da gibt es definitiv Grenzen 🙂

Gemeinsames Marketing

Sind wir mal ehrlich, Buchmarketing ist nicht besonders leicht. Viele Selfpublisher (sicher die meisten) haben nicht daran gedacht, dass sie für sich selbst Werbung machen müssen, als sie mit dem Schreiben begonnen haben. Warum auch? Man hatte die Überzeugung, es gibt nur einen Weg, ein Buch zu veröffentlichen: ein Verlagsvertrag. Umso beängstigender ist es, wenn man (auch als Verlagsautor) alles doch selbst machen muss. Und Marketing lässt sich nicht einfach mal so erlernen, es gibt auch kein Erfolgsgeheimnis, vieles muss man ausprobieren, sich viel trauen und am Ball bleiben. Da ist es doch eine kleine Erleichterung, dass man gelegentlich Aktionen mit anderen machen kann. Gewinnspiele, Veranstaltungen, Lesungen, Meet & Greets und Gruppen, alles dient dem gemeinsamen Marketing, auch Autorenverbunde entstehen, um mehr Aufmerksamkeit zu erreichen.

Trends / Tradition

Das Autorenhandwerk erlernt jeder für sich, es gibt so viele Wege, die man gehen kann. Für manch einen scheinen das viel zu sein. In meinem Autoren-Werdegang habe ich so viele Bücher, Blogs und Foren gelesen, und mir sind noch immer viele Geheimnisse verborgen. Geheimnisse der alten Schule und die geheimen Tipps von aufkommenden Trends. Man muss seine Ohren und Augen überall haben, deswegen ist es auch so wichtig, auf die Buchmesse zu gehen, dort werden diese Neuigkeiten als erstes verkündet. Verständlich kann nicht jeder, alles mitbekommen, aber so ein Netzwerk teilt das Wissen miteinander. Wenn ich eine bestimmte Frage habe, ist es oft schneller, meine Kollegen zu fragen, einer weiß immer eine passende Antwort.

Wissen teilen

Durch die vielen Charaktere in einem Netzwerk hat man Zugriff auf einen gewaltigen Erfahrungsschatz: Ich kenne keinen Autor, der in seinem Leben nicht etwas nebenbei macht oder gemacht hat. Viele Autoren sind hauptberuflich etwas anderes, viele sehen das Schreiben nur als eine Art Hobby an. Also kann jeder von seinen anderen Berufen, Hobbys und Erlebnissen berichten. Das ist tausendmal besser als jede Suchmaschine.

Kollektives abreagieren

In der Literaturwelt gibt es tatsächlich so einige Gründe, aus denen man ausrasten könnte. Es reicht auch schon die Tatsache, dass Autoren in der Öffentlichkeit stehen und sich dadurch sehr angreifbar machen. Wünscht sich da nicht jeder gelegentlich einen Boxsack, um die Energie loszuwerden? In solchen Phasen schreibe ich übrigens gerne Kampf- oder Streitszenen, die lass ich mir fast immer für solche Momente übrig. Wenn ich aber mal keine Kampfszene zu schreiben habe, finde ich immer ein verständnisvolles Ohr bei meinen Kolleginnen.

Schutz

Die befreundeten Autoren laufen natürlich nicht mit Schildern um einen herum und wehren jede Kritik von einem ab. Mehr beschützten sie einen davor, sich zu viel aufzuhalsen oder vor Selbstüberschätzung kaputtzumachen, aber auch vor der vernichtenden Eigenkritik, die oft das tollste Schreibprojekt zerstört. Es gibt sehr viele Dinge, gegen die so ein Autorennetzwerk gemeinschaftlich schützt und sich gegenseitig bei Problemen unterstützt. Ein Shitstorm von einem unzufriedenen Leser ist leichter in einer Gruppe auszuhalten, als einsam mit der Flasche Wein und einem Liter Eiscreme. Auch die in letzter Zeit viele Plagiate, die auftauchen will ich nicht unerwähnt lassen. Gemeinsam sind wir im Kampf gegen die Plagiate stark. Schreib fair ist da ein großartiges Beispiel, die Jungs und Mädels haben in letzter Zeit so einiges zu Tage befördert.

Krisenmanagement

Sobald ein Autor an die Öffentlichkeit geht, muss er mit der Kritik der Leser rechnen. Es gibt gute Kritik, aber es gibt auch jede Menge Trolle, die nur darauf absehen, ihre schlechte Laune, ihren Neid, ihre Missgunst oder ihre Langeweile an jemanden auszulassen, so ein Autor ist da ein gutes Ziel: Oft introvertiert und rechtfertigt sich (geht also erst auf die Trolle ein). Es ist schon vielen von uns so ergangen, das kann wirklich jeden treffen. Umso einfacher ist es, mit einem Autorenteam durchgestanden.
Aber es gibt nicht nur Mobber, die eine mögliche Krise bilden können. Auch andere Schwierigkeiten bedürfen eine korrekte Haltung und Reaktion. Wenn man große Projekte angeht und damit auch Skepsis trifft, ist Unterstützung nie verkehrt.

Ehrliche Meinung

Freunde finden immer alles toll, was man schreibt. Die ehrliche Meinung wird oft verschwiegen und dann durch einen kritischen Leser in einer Rezension geäußert. Kollegen helfen, diesen Schritt zu vermeiden. Ich höre immer wieder, dass vor allem jungen Autoren Angst um ihre Ideen und Texte haben und in einigen Fällen ist es auch berechtigt. Ihr sollt eure Ideen nicht jedem mitteilen, aber sucht euch einen Vertrauten. Zum Beispiel ist das Autoren AuthorWing-System ganz cool. Dort bekommt ihr einen Begleiter, der euch bei Fragen unterstützt oder könnt selbst einen Schützling bei euch aufnehmen.

Gemeinsame Ziele

Nicht alle Autoren haben das eine Ziel. Die einen wollen nur so für sich schreiben, andere wollen den nächsten Harry Potter veröffentlichen, andere sind glücklich, wenn sie endlich ihren Roman beendet haben. Aber der Weg zu diesen verschiedenen Zielen ist bei den meisten ein ähnlicher und das verbindet.

Freundschaft

Inzwischen kann ich mehr Autoren als Freunde zählen als Nichtautoren. Gleiches sucht Gleiches. Was meine Nichtautorenfreunde nicht interessiert, führt bei meinen Autorenkollegen zu belebten Gesprächen und andersherum (ich kann mit meinen Autorenkollegen nicht über die Musikvielfalt reden, da rede ich lieber mit meinen Musikerfreunden).

Gemeinsame Projekte

Das Gemeinsame ist das ausschlaggebende Argument. Ob eine gemeinsame Gruppe auf Facebook, ein Blog zu Schreibthemen oder ein gemeinsames Schreibprojekt, die Autoren vereinen sich in einem unüberschaubaren Rhythmus zu Interessengemeinschaften und spornen sich gegenseitig an.
Beispiele:
AuthorWing
Schreibnacht
Schreibmeer
NaNoWriMo
Schreib fair
Buch-Gefährten

Unterstützung

Mann muss sein Süppchen nicht ganz einsam kochen und als Selfpublisher hat man sehr viel zu tun, da ist Unterstützung auif allen Ebenen willkommen, auch wenn es mal um Liebeskummer und Familienstress geht, hier werden Sie geholfen.

Teilen kleiner Geheimnisse

Was kleine Autorenverbunde stark verbindet, sind die kleinen Geheimnisse, die sie miteinander teilen. Es ist deswegen auch schwer, in einen bereits bestehenden Autorenverbund reinzukommen, es ist eine eingeschworene Gemeinschaft. Aber es stört ja niemanden, wenn man seinen neuen, Eigenen gründet.

Zusammenhalt und Loyalität

Ich möchte nicht die Hand ins Feuer legen, denn sicher lässt sich dieser Punkt nicht auf jede Gruppe so pauschal anwenden. Man sollte das auch nicht voraussetzen, schließlich ist das zwischen Autoren meist auch nur eine Arbeitsgruppe, keine Freundschaft oder Familie. Jeder darf gehen, wann er will, es ist ja keine Sekte, aber vor allem kleineren Gruppen sind oft sehr loyal und freundschaftlich miteinander verbunden.

Talente ausleihen

Jeder beherrscht neben dem Schreiben noch eine andere Kleinigkeit, die man unter sich als Freundschaftsdienst erweisen kann. Der eine ist im Lektorat gut, der andere findet wirklich den allerletzten, gut versteckten Fehler im Text, der andere versteht sich auf Marketing oder Coverdesign. So einige Gruppen könnten sogar einen Verlag gründen, weil sie alle nötigen Talente vereinen. Man sollte sich seine Autorengruppe allerdings nicht aufgrund dieser Fähigkeiten aussuchen, sondern vor allem auf die zwischenmenschlichen Werte achten.

Motivation und in den Hintern treten

Autoren müssen sich immer allein organisieren, da kommt es nicht selten vor, dass sie lieber ihre Netflix-Serien suchten, statt sich um ihren Roman zu kümmern. »Nur noch eine Folge«, sagen sie dann und dann ist es schon wieder Mitternacht. Für solche Phasen braucht man keine Motivation mehr; der Tritt in den Allerwertesten ist von daher am effizientesten. Der allerbeste Tritt ist eine Buchveröffentlichung des Kollegen, der viel später mit dem Roman angefangen hat als man selbst. Dann wird aus dem schlechten Gewissen plötzlich eine Panikattacke, dann wird die Nacht durchgeschrieben, auf Nahrung verzichtet und das Handy mit dem bösen, ablenkenden Internet an die Wand geworfen. Autoren sind gegenseitige Antriebskraft, ob man will oder nicht.

Größen der einzelnen Gruppen

Es gibt natürlich keine feste Größe aber hier mal ein paar Werte, die meine Empfindungen sich gut anführen.

a) Autorenverbund

Es gibt sehr große Autorenzusammenschlüsse, aber da denen gehöre ich nicht so gerne an, weil man nur ein kleiner Fisch unter vielen Fischen ist. Mich interessieren Gruppen, die überschaubar sind. Auch da gibt es verschiedene Größen. Die größeren Gruppen haben den Zweck, mehr aufzufallen. Sie organisieren gezielte Auftritte auf der Buchmesse gemeinsame Veranstaltungen.
Die Kleineren machen nicht so viel Aufriss und arbeiten mehr an internen Projekten oder an kleineren gemeinsamen Auftritten, indem sie gemeinsame Lesungen organisieren oder zusammen eine Facebook-Seite betreiben. Silberfedern gehört zum Beispiel in diese Gruppe.

b) Gruppen

Facebook-Gruppen und Foren gehören hierhin. Hier sammeln sich alle, die an dem Gruppenthema interessiert sind, also können es locker mehrere 1000 Leute werden. Zum Beispiel die Schreibnacht.

c) Projektpartnerschaft

Oft kommen die Autoren für nur ein Projekt zusammen. Sei es ein gemeinsames Schreibprojekt, ein Blog, ein Gewinnspiel, ein Meet & Greet oder Lesungen. Die Anzahl an Teilnehmern variiert, aber es ist sicher einfacher zu koordinieren, wenn die Anzahl überschaubar bleibt. Beispiele: Schreibnachtmagazin, Malbuchprojekt von meiner Mama und mir  …

d) Autorenkollegen

Jeder Autor hat sein Autorennetzwerk, bei einigen ist es möglich ganz klein, weil sie niemanden trauen oder mit nur wenigen Personen besser fahren, andere scheinen einfach jeden zu kennen.

Wie findet man die richtige Gruppe?

Dafür gibt es keine Anleitung, man muss einfach schauen, ob man menschlich zusammenpasst. So ein Projekt oder Zusammenschluss passiert ganz automatisch. Sagt nicht zu vielen Nein, aber bürdet euch auch nicht zu viel auf, denn sonst macht ihr bei vielen Dingen nur oberflächlich mit. Früher bin ich mit Anlauf in jedes Projekt eingesprungen, so eine Phase wünsche ich jedem Neugierigen, die Erfahrungen, die man da mitnimmt, sind unbezahlbar. Ich durfte mal das Schreibnacht-Magazin leiten wie cool ist das denn? Ich fand es großartig, nicht weil ich Leute herumkommandieren durfte (das mag ich ja gar nicht), sondern, weil es viele verschiedene Herausforderungen gab, für die ich mir Lösungen überlegen musste. Heute würde ich aber dreimal überlegen, bevor ich mir Verantwortung für so ein Projekt aufbürde. Ich hätte nicht die Zeit, es aus voller Leidenschaft zu übernehmen, diese muss man bei allen diesen Gruppen und Projekten aber mitbringen.

Fazit

Die Zeit, in der der Autor sich in einem Kämmerchen versteckt hat und nur seine Manuskripte an den Verleger geschickt hat, sind vorbei, bei manch einem funktioniert es weiterhin, aber bei den meisten eben nicht. Ein funktionierendes Autorennetzwerk ist so eine Erleichterung, bringt aber auch die Voraussetzungen mit, dass man sich einbringt und dass man die Beziehungen pflegt.

Jetzt bin ich gespannt darauf, zu erfahren, wie ihr euch in eurem Netzwerk bewegt. Arbeitet ihr mit anderen Autoren an Projekten, schreibt ihr gemeinsam Bücher oder habt euch zu Autorengruppen verbunden? Schreibt mir doch in den Kommentaren, worum es sich dabei handelt und hinterlasst mir doch einen Link zu euren Projekten.

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